Bankroll Management für MTT und SNG Spieler

Bankroll Management für MTT und SNG Spieler2020-01-12T11:16:38+01:00

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Bankroll Management

Wir erläutern hier die Grundsätze des Bankroll Management (BRM) für Poker-Turniere (Sit and Go’s, Double or Nothing und Multi Table Tournaments) und zeigen, wie wichtig das Einhalten des BRM ist, um zu vermeiden, dass man „Broke“, geht.

Übersetzung von Bankroll

der Englische Begriff “Bankroll” bedeutet Wörtlich Übersetzt im Deutschen “Finazieren”

Einführung ins Bankroll Management für Pokerspieler

Als Bankroll wird die Summe an Geld bezeichnet, die man Online bei Pokerräumen  und die man bei Online-Bezahldiensten (Skrill/Neteller) gelagert hat. Theoretisch könnte man auch noch das Geld hinzuzählen, welches man sich aus vergangenen Gewinnen ausbezahlt hat oder welches man nicht direkt für den Lebensunterhalt benötigt.

Notwendigkeit des Bankroll Managements

Als ambitionierter Turnierspieler sollte man seine Bankroll mit den Augen eines Unternehmers betrachten: Es ist das Kapital, welches man in neue Geschäfte (Poker-Turniere) investiert, und bei welchem man eine gewisse Rendite (ROI) für die aufgewendete Zeit und das eingegangene Risiko erwartet. Hat man kein Kapital,also keine Bankroll mehr, dann ist man Bankrott(Broke) und die Unternehmung muss liquidiert werden. Ein vorausschauender Unternehmer wird nur kleine Anteile seines Kapitals in einzelne Geschäfte investieren, um ein Risko zu vermeiden, was den Fortbestand seines Unternehmens gefährden kann.

Genauso sollte ein Pokerspieler auch denken. Ein solides BRM ist der Grundstein für eine erfolgreiche Pokerkarriere.

Tatsächlicher ROI und erwarteter ROI

Beim ROI muss man zwei Messgrössen unterscheiden: Der tatsächliche ROI ist der ROI, den man über einen bestimmen Zeitraum oder eine bestimmte Menge an Turnieren in der Vergangenheit erzielt hat. Der erwartete ROI ist der ROI, den man über eine extrem grosse Stichprobengröße erzielen würde. Dieser Wert ist hypothetisch, da niemand z.B. 100’000 SnG’s in einen sehr kurzen Zeitraum spielen kann, ohne dass sich die Einflussfaktoren des ROI wie die Qualität Gegner und das eigene Können verändern. Je mehr Turniere man gespielt hat, desto näher ist der tatsächliche ROI beim erwarteten ROI.

Einfluss ROI auf das Bankroll Management

Beim BRM geht es ja darum sicherzustellen, dass man beim Pokern nicht Broke geht. Der erwartete ROI eines Spielers muss deswegen zwingend positiv sein, ansonsten wird der Spieler über kurz oder lang Bankrott gehen. Je höher der erwartete ROI eines Spielers ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Bankrott. Ein Spieler, der langfristig nur 1% ROI erzielt, muss eine viel grössere Bankroll zur Verfügung haben als ein Spieler mit 20% erwartetem ROI.

Einfluss Turniervariante auf das Bankroll Management

Auch Turniervariante hat einen sehr starken Einfluss auf das BRM. Grundsätzlicher gilt je flacher die Auszahlungsstruktur und je grösser der Anteil an ausbezahlten Plätzen ist, desto geringer die benötigte Bankroll für ein bestimmtes Buy-In ist. Ein Pokerspieler, der Heads-Up oder Double or Nothing-Turniere spielt, kann also mit einer deutlich geringerer Bankroll spielen als Fans von Multi Table Turnieren mit 500+ Spielern. Bei Double Up Turnieren kommt ein durchschnittlicher Spieler jedes zweite Mal ins Geld, während bei MTTs die Wahrscheinlichkeit dazu ca 10% beträgt, und die Wahrscheinlichkeit auf einen großen Cash am Final Table vielleicht 2% beträgt.

Einfluss Sample Size auf Bankroll Management

Die Größe der Stichprobe, der sogenannten Sample Size, ist ein weiterer wichtiger Treiber des BRM. Je mehr Spiele man spielt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit Broke zu gehen. Wenn man mit einer Bankroll von 30 Buy-Ins SnGs spielt, dann beträgt die Chance, in 10 Spielen Broke zu gehen, 0%. Spielt man aber 2000 Turniere, besteht für Spieler mit einem erwarteten ROI von 5% ein Risiko von unglaublichen 97.2%, einen Downswing von 30+ Buy-Ins zu erleben

BRM1

Die obige Tabelle zeigt, wie hoch das Risiko eines Downswings bei SnGs ist. Wenn man also immer nur mit der minimal notwendigen Bankroll von 30 Buy-Ins spielt (und Gewinne immer ausbezahlt), dann wird man, sobald man eine größere Anzahl an Turnieren spielt, kaum darum herumkommen, ein Limit abzusteigen oder Geld einzuzahlen, selbst wenn man ein Winningplayer auf diesem Limit ist.

Verschiedene Varianten des Bankroll Management

Die Möglichkeiten des Bankroll Managements kann man abhängig von der Risikobereitschaft wie folgt gliedern:

  • Sehr konservativ –
  • konservativ
  • ausgewogen
  • aggressiv
  • sehr aggressiv einteilen.

Je nach bevorzugter Strategie spielt man ein Limit mit einer Bankroll, die aus vielen Buy-Ins besteht (konservative Strategie), oder mit nur wenigen Buy-Ins als Reserve (aggressive Strategie). Ein Winningplayer, der durch Poker seinen Lebensunterhalt verdient, sollte einen viel größeren Aspekt auf Sicherheit legen als ein Hobbyspieler, der nur des Spaßes wegen pokert. Schauen wir jetzt auf die Vor- und Nachteile der beiden Strategien.

Die konservative Strategie

Vorteile

  • man reduziert die Wahrscheinlichkeit, ein Limit absteigen zu müssen, was zermürbend sein kann
  • Downswings treffen einem weniger hart, weil sie nur einen kleinen Teil der Bankroll betreffen. Dadurch ist auch die psychische Belastung geringer
  • man spielt längere Zeit auf einem Limit, wodurch man mit grösserer Sicherheit sagen kann, dass man das Buy-In schlägt. Dadurch lernt man auch die Gegner besser kennen und erhöht seinen ROI

Nachteile

  • man steigt zu langsam auf das nächsthöhere Limit auf. Dadurch erzielt man nicht den maximal möglichen Gewinn
  • man muss längere Zeit warten, bis man einen Spielfortschritt im eigenen Spiel (Aufstieg als Gradmesser) erkennt

Die aggressive Strategie

Vorteile

  • als guter Spieler steigt man schneller auf und erhöht dadurch seinen erzielten Gewinn
  • ein Aufstieg ist motivierend

Nachteile

  • Limit-Abstiege können einem psychisch zusetzen
  • ein Down – selbst wenn es nur 20 Buy-Ins sind – kann eine Halbierung der Bankroll bedeuten
  • es besteht das Risiko, dass man nicht rechtzeitig absteigt und im Fall eines Downswings einen Grossteil seiner Bankroll verliert
  • ein zu rascher Aufstieg kann dazu führen, dass man auf „scared money“ sitzt und aus Angst vor dem Ausscheiden aus einem Turnier zu ängstlich spielt

Empfehlung Bankroll Management

Welches Bankroll-Management ein Spieler betreiben will, muss er letztendlich selbst wissen und hängt primär von seiner Risikobereitschaft ab. Wir haben euch hier basierend auf mathematischen Simulationen und Erfahrungswerten eine Tabelle zusammengestellt, bei der ihr ablesen könnt, wie viele Buy-Ins ihr fürs jeweilige Limit benötigt:

BRM2

In den Spalten sind die Turniervarianten SNGs, Double Ups, Heads-Up, 18er SNGs, 45er SNGs und MTT (>100 Spieler) aufgeführt. Will man also ein aggressives BRM betreiben, dann sind für Sit and Go’s 50 Buy-Ins und für Double or Nothing 30 Buy-Ins als Bankroll die Mindestvoraussetzung. Hat man also 1200$ zur Verfügung, dann kann man 22$ SnGs spielen (54 Buy-Ins) oder 33$ Double Ups (36 Buy-Ins). Hat man als SnG-Spieler weniger als 550$, dann muss man von den 22$ SNGs auf die 11$ SNGs absteigen, da man gerade noch 50 Buy-Ins für das untere Limit hat.

Eine einfache Möglichkeit, zu sehen, mit welcher BR man welches Limit bei einem gewählten Bankroll-Management man spielen kann, bietet das kleine Excel-Sheet. Man sieht in diesem Beispiel unten mit einem 50 Buy-In BRM, welches Limit man bei welcher Bankroll spielen kann. Wenn man 1000$ einzahlt, kann man die 11$ Turniere spielen. Sobald man über 1100$ hat, kann man auf die 22$ Turniere aufsteigen und mit 1650$ auf die 33$ Turniere aufsteigen

BRM3

Zusammenfassung zur Bankroll

In diesem Artikel haben wir nun erklärt das das Bankroll-Managements unglaublich wichtig ist, um zu vermeiden, als Pokerspieler Broke zu gehen. Auch haben wir gelernt, dass ein Spieler mit einem hohen erwarteten ROI ein aggressiveres BRM betreiben kann als ein Spieler, der knapp zu den Winningplayern gehört. Zudem wissen wir nun, dass die Turniervariante ein weiterer wichtiger Treiber des BRM ist: Bei Double Ups, wo die Hälfte der Spieler ihren Einsatz verdoppeln können, wird eine geringere Bankroll als Sicherheit benötigt als bei den normalen SNGs oder MTT Turnieren.

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Letze Änderungen

Die letzten Änderungen der Seite “Bankroll Management für MTT und SNG Spieler
wurden am 12. Januar 2020 durch YPD umgesetzt.